Standard

Geschichte

 

 

 

Standard für den Grönlandhund

(Publikation des gültigen Originalstandardes 25.03.2003)

URSPRUNG : Grönland               PATRONAT : Dänemark

 

ALLGEMEINES ERSCHEINUNGSBILD :

Der Grönlandhund ist ein sehr kräftiger Polarspitz und so gebaut, dass er die nötige Ausdauer bei der harten Arbeit eines Schlittenhundes unter arktischen Bedingungen aufbringen kann. Eine gewisse Variation an Grösse wird akzeptiert, sofern dadurch die Leistungsfähigkeit und die Harmonie des Hundes nicht beeinträchtigt werden. 

WICHTIGE PROPORTIONEN :

 Der Körper passt in ein kurzes Rechteck, wobei das Verhältnis der Widerristhöhe zur Körperlänge 10: 11 beträgt. Hündinnen dürfen einen etwas längeren Körper haben.

 

VERHALTEN / CHARAKTER (WESEN) :

 Die vorherrschenden Charaktereigenschaften des Grönlandhundes sind Energie, Beharrlichkeit und Mut. Er ist ein passionierter und unermüdlicher Schlittenhund. Menschen, auch Fremden gegenüber, verhält er sich freundlich; wenn er als Schlittenhund verwendet wird, ist er nicht an eine bestimmte Person gebunden und ist deshalb auch nicht als Wachhund geeignet. Er zeigt einen starken Jagdinstinkt für Seehund und Eisbär.

 

OBERKOPF :

Schädel : Breit und leicht gewölbt, am breitesten zwischen den Ohren.  

 

Stop : Deutlich, aber nicht stark betont.

 

GESICHTSSCHÄDEL :

Nasenschwamm : Gross und von dunkler Farbe, der Farbe des Haarkleides entsprechend; oft leberfarben bei Hunden mit rot-goldenem Haarkleid. Im Winter darf er fleischfarben werden (Wechselnase).

Fang : Keilförmig, am Ansatz breit, verjüngt sich zur Nase hin, ist aber nicht spitz. Der Nasenrücken ist vom Ansatz bis zum Nasenschwamm hin gerade und breit.

Lippen : Dünn und straff, dem sehr kräftigen Gebiss eng anliegend.

Kiefer / Zähne : Starke Kiefer mit regelmässig angeordneten, gesunden und kräftigen Zähnen. Scherengebiss.

Augen : Vorzugsweise dunkel, können aber der Farbe des Haarkleides angepasst sein; leicht schräg gestellt, weder hervortretend noch zu tief eingebettet; freier, furchtloser Ausdruck. Augenlider gut anliegend.

Ohren : Eher klein, dreieckig und an den Spitzen abgerundet; stramm aufrecht getragen. Sehr beweglich und ausdrucksvoll durch ihre jeweilige Haltung.

 

HALS : Sehr kräftig und eher kurz.  

 

KÖRPER : Kräftig und ziemlich kompakt, nur geringfügig länger als die Widerristhöhe

Obere Profillinie : Horizontal oder ganz leicht abfallend.  

Rücken : Gerade.  

Lenden : Breit.  

Kruppe : Leicht abfallend.  

Brust : Tief und breit, Rippenkorb jedoch nicht fassförmig.  

Untere Profillinie und Bauch : Folgt der Linie des Brustbeins. Darf etwas aufgezogen sein.

 

RUTE : Hoch angesetzt, dick und buschig. Sie wird bogenförmig gekrümmt oder leicht eingerollt über dem Rücken getragen.  

 

VORDERHAND :

Allgemeines : Von vorne betrachtet sind die Vorderläufe vollkommen gerade; kräftige Bemuskelung und schwerer Knochenbau.

Schultern : Mässig schräg gelagert.

Oberarm : Gerade und kräftig, etwas länger als das Schulterblatt.

Ellenbogen : Frei beweglich, aber am Körper anliegend.

Unterarm : Gerade und kräftig.

Vorderfußwurzelgelenk : Kräftig und biegsam.

Vordermittelfuß : Kräftig und elastisch, nur leicht schräg gestellt.

Vorderpfoten : Ziemlich gross, kräftig und rundlich, mit starken Krallen und Ballen.    

HINTERHAND :

Allgemeines : Von hinten betrachtet sind die Hinterläufe vollkommen gerade; starke Bemuskelung, schwerer Knochenbau, mässige Winkelungen.

Schenkel : Kraftvoll und sehr muskulös.

Sprunggelenk : Breit und kräftig, mässig gewinkelt.

Hinterpfoten : Wie die Vorderpfoten.

 

GANGWERK :

Ein leistungsfähiger, harmonischer, fliessender und unermüdlicher Trab ist für einen Schlittenhund höchst wichtig. Im Ausstellungsring sollte der Hund an loser Leine in einem gemässigten Trab vorgeführt werden, um den guten Vortritt der Vorderhand und den kräftigen Schub aus der Hinterhand vorzuzeigen. Von vorne gesehen, zeigt der Grönlandhund im Schritt kein sog. « Schnüren », sondern erst mit zunehmender Geschwindigkeit konvergieren die Läufe allmählich, bis die Pfoten der Mittellinie folgen.

 

HAARKLEID  

Haar : Doppeltes Haarkleid : dichte und weiche Unterwolle sowie ein dichtes, glattes und harsches Deckhaar ohne Locken oder Wellen. Das Haar ist am Kopf und an den Läufen eher kurz, länger und reichlicher am Körper, lang an der Unterseite der Rute, was sie buschig erscheinen lässt.  

Farbe : Alle Farben, ob ein- oder mehrfarbig, sind gleichermassen zulässig mit Ausnahme der Albinos; diese sind auszuschliessen.

 

GRÖSSE :

Widerristhöhe :

Für Rüden :            60 cm und mehr,

Für Hündinnen :    55 cm und mehr.    

FEHLER : Jede Abweichung von den vorgenannten Punkten muss als Fehler angesehen werden, dessen Bewertung in genauem Verhältnis zum Grad der Abweichung stehen sollte.

   Leichter Knochenbau.

  Kurze Läufe, tief gestellter Körper.

  Ängstlichkeit.    

SCHWERER FEHLER :

  Langes und weiches Haarkleid

 Ohren nicht straff aufrecht getragen

 

AUSSCHLIESSENDE FEHLER :

   Aggressivität oder deutlich scheu

  Albinismus

  Unterschiedliche Augenfarbe

 Blaue Augen oder Birkenaugen 

Hunde, die deutlich physische Abnormalitäten oder Verhaltensstörungen aufweisen, müssen disqualifiziert werden.

N.B. : Rüden müssen zwei offensichtlich normal entwickelte Hoden aufweisen, die sich vollständig im Hodensack befinden.

 

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Geschichte

 

In seinem Ursprungsgebiet kann bis auf den heutigen Tag in weiten Teilen des Landes nicht auf den Einsatz des Gönlandhund als Schlittenzieher und Jagdgehilfe verzichtet werden. An der Haltung der Hunde und der Einstellung des Eskimos seinen Hunden gegenüber hat sich wenig geändert. Sie sind Mittel zum Zweck, nämlich Helfer im Kampf ums Dasein, begonnen bei der Nahrungsbeschaffung (Robben - und Eisbärjagd) bis hin zur Einsatzfähigkeit als einziges "Verkehrsmittel". Entsprechend ihrem eigenen harten, erbarmungslosen Leben ist auch die Behandlung ihrer Hunde nicht von überschwenglicher Fürsorge geprägt.

So lässt sich leicht nachvollziehen, welchen Akklimatisationsschwierigkeiten ein sogenannter Originalimport aus Grönland in unserem Breitengraden ausgesetzt ist. Der "Zivilisationsprozess" vollzieht sich nicht von einer Generation zur anderen, und es bedarf besonderen Einfühlungsvermögens, diese Hunde ohne die ihnen anhaftenden Vorurteile gewisser unerwünschter Eigenschaften wie Aggressivität gegenüber Artgenossen, sehr impulsives Wesen u.ä. zu sehen. Schon mehrere Generationen in Europa gezüchtete Grönlandhunde mit durchaus liebenswerten Charakter beweisen jedoch, was menschliches und züchterisches Zutun in den Griff zu bekommen imstande ist.

Grönlandhunde besitzen in bezug auf ihr soziales Umfeld noch mehr als andere Nordische Hunde das Verhaltensinventar des Ahnen Wolfes. Doch bei aller Notwendigkeit auszutragender Führungskämpfe muss sich stets der Mensch als Alphatier behaupten. Wenn er als Ranghöchster im seinem Rudel - oder auch dem einzeln gehaltenen Hund- akzeptiert wird, ist die Vorraussetzung für ein ein ersprießliches Zusammenleben.

*Quelle: Doris Baumann "Nordische Hunde"*

 

Der Grönlandhund ist der Nationalhund Norwegens. Der kräftige, ausdauernde Hund der Inuit auf Grönland hat mittlerweile auch in anderen Ländern der Erde Liebhaber gefunden. Eine besondere Tradition haben sie in der Schweiz, wo sie nach dem Aufbau der Zahnradbahn aufs Jungfraujoch 1912 den Transport von Lebensmitteln und Postsendungen zur Station Eigergletscher bewerkstelligen. Durch die Vermittlung des Polarforschers Roald Amundsen erhielt die Bahngesellschaft sechs Grönlandhund für diese Arbeit. 

Die Tiere sind in ihrer Heimat standorttreu und weisen keine Einkreuzungen anderer Rassen auf. Die Ursache hierfür ist eine gesetzliche Regelung, die die Haltung von Schlittenhunden allein auf das Gebiet jenseits des Polarkreises begrenzt. Hunde-Äquator wird er deshalb in Grönland genannt. Kein Schlittenhund darf ihn nach Süden hin überschreiten (einzige Ausnahme: die geographisch isolierten Jäger - und Fängergemeinde Ammassalik im Osten Grönlands) keiner anderer Hund darf in den Norden gebracht werden. In entsprechendem Klima und Gelände können Grönländer auch noch Jagdbegleiter eingesetzt werden.  Der Grönlandhund wurde 1967 von der FCI als eigene Rasse anerkannt.

 

*Copyright auf alle Bilder dieser Seite Marianne Lund, Kennel Qornoq's Arctic*

 

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